Zehn Gebote für Vorwärtsstrebende

Es gibt Dinge und Aussagen, die haben trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihres Alters eine gleichbleibend wichtige Botschaft. Ich finde es faszinierend, dass bereits vor über 77 Jahren die “ Zehn Gebote für Vorwärtsstrebende “ entstanden sind.

Das Bild ist von der nachfolgenden Webseite: www.origin-audi.com

Kommerzienrat Johann Baptist Winklhofer (1859 bis 1949) hat vor mehr als 100 Jahren die Grundsätze eines erfolgreichen Unternehmers gelebt. Seine „Zehn Gebote für Vorwärtsstrebende“ können auch heute noch Unternehmern, Führungskräften und engagierten Mitarbeitern als Orientierung und Leitlinien für „gute Unternehmen“ dienen.

Winklhofer, in München geboren, gründete mehrere Firmen, u.a. in Chemnitz zusammen mit Rudolf Adolf Jaenicke die Firma Wanderer, die später mit drei weiteren Firmen zum Audi-Unternehmen fusionierte. Außerhalb der Automobilproduktion war Winklhofer führend in der Schreibmaschinen- und der Fahrradentwicklung, wo er mehrere Patente hielt (Typenhebelschreibmaschine, Doppelübersetzungsnabe mit Freilauf und Rücktrittsbremse).

(Bild: www.wanderer.eu)

Noch heute werden in dieser Tradition hochwertige Fahrräder hergestellt. Nähre Informationen zu den Fahrrädern finden Sie hier .

Die nachfolgend dargestellten „Zehn Gebote für Vorwärtsstrebende“ habe ich von einem älteren Poster der Fa. Audi in Ingolstadt übernommen. Das Bildportrait von Johann Baptiste Winklhofer ist von der Website www.origin-audi.com.

Im Jahr 1940, etwa neun Jahre vor seinem Tod, veröffentlichte Winklhofer eine kleine Autobiographie mit dem Titel „Erinnerungen aus meinem Leben“, in der er auf sein bewegtes Leben zurück blickte. In dieser Biographie veröffentlichte er auch die „Zehn Gebote für Vorwärtsstrebende“.

Diese Leitsätze dienten danach einer Vielzahl von Unternehmen und Organisationen als Blaupause und sind auch heute noch in zeitgemäß abgewandelter Form zu finden, sie sind trotz ihres Altersnach wie vor top-aktuell und beachtenswert.

Zehn Gebote für Vorwärtsstrebende

  1. Grundbedingung ist gründliches Verständnis für den eigenen Beruf.
  2. Der Ehrgeiz, jedes Ding besser zu machen als es irgendein anderer kann.
  3. Festhalten am Prinzip, dass dem Kunden für sein Geld nur das Beste geliefert werden kann.
  4. Eine nie ausgehende Freude an der Arbeit muss vorhanden sein.
  5. Immer nur nach den neuesten Arbeitsmethoden und mit den allerbesten Einrichtungen im Betrieb arbeiten.
  6. Der größte Teil des verdienten Geldes muss zur Beschaffung dieser betriebsfördernden Mittel verwandt werden.
  7. Den rechten Mann an den rechten Platz stellen.
  8. Einfach und solide leben, damit man früh mit klarem Kopfe an die Arbeit gehen kann.
  9. Sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass man nicht jedes Geschäft machen kann oder muss.
  10. Schließlich gehört auch noch eine recht große Dosis Geduld dazu, um den Erfolg seiner Mühen abzuwarten, auch wenn es manchmal recht trostlos aussieht.

Na klar, der Text ist in der Sprache von damals verfasst, er lässt sich jedoch problemlos auf die heutige Zeit übertragen und es benötigt nicht viel Phantasie ihn zu aktualisieren!

Hier noch weitere Informationen zum Leben und Wirken von Johan Baptist Winklhofer:

Johann Baptist Winklhofer (18591949) (www.nordostkultur-muenchen.de)

Der in München-Haidhausen in der Ismaninger Straße geborene Johann Winklhofer zieht 1871 mit seiner Familie nach Landsberg am Lech. Der Berufswunsch des Bauernsohns: Mechaniker. Ein Jahr später erhält er eine Lehrstelle in der Firma Böhm & Wiedemann in München, wo er Apparate für technische Hochschulen und chemische Laboratorien herstellt und in Zeichnen, Physik und Chemie unterrichtet wird. Anschließend geht er als Dreher in das Königlich-Bayerische Hauptlaboratorium (18751879). Aber Winklhofer hält es nicht, in der Folge wird er bei Josef Hofer arbeiten (Herstellung von Zündkapseln für die japanische Armee), in der königlichen Pulverfabrik und schließlich in der Maschinenfabrik Huber in Ingolstadt. Aber es zieht ihn wieder in seine Geburtsstadt München zurück, wo er als Angestellter im Haus Schad Räder verkauft und als Radlehrer tätig ist, ein damals geachteter Beruf. In dieser Zeit baut Johann auch sein erstes Fahrrad, das bereits mit dem Hinterrad auf Kugeln und auf dem Vorderrad auf selbstgebauten Rollenlagern lief.

Über die Bekanntschaft mit Richard Adolf Jaenicke gelangt Winklhofer nach Chemnitz, wo er mit Jaenicke zusammen 1885 die »Wanderer-Werke« zur Herstellung von »englischen« Velocipeds gründet. Die Firma boomt schnell, 1890 produzieren sie auch Werkzeugmaschinen und Härterei-Öfen. 1896 wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Schönau bei Chemnitz umgewandelt, die Belegschaft zählt 375 Mitarbeiter. In den folgenden Jahren werden Fräsmaschinen, Motorrädern, Schreibmaschinen (»Continental«) und Automobile (»Wanderer-Puppchen«) in Produktion genommen. Das Unternehmen expandiert und erlangt mit seinen Produkten Weltruhm. Aber Winklhofer erinnert sich auch an die harten Zeiten seiner Biografie und errichtet das »Fortbildungswerk für befähigte Arbeiter«, ein Stipendium zum Ingenieurstudium, später »Winklhofer Fortbildungswerk«.

Zwischen 1900 und 1901 errichtet der Architekt Leonhard Romeis für den erfolgreichen Unternehmer Winklhofer eine Villa in Bogenhausen (Höchlstraße 3), die heute nicht mehr erhalten ist. Während Ersten Weltkriegs (Dezember 1916) entschließt sich der Unternehmer eine Munitionsfabrik (in Zusammenarbeit mit den Wanderer-Werken, die ihm Facharbeiter überlässt) zu gründen. Die Räume von »Joh. Winklhofer & Söhne, Spezialfabrik für Fahrrad- und Motorrad- Rollenketten« befinden sich in der ehemaligen Möbelfabrik Kehrer & Söhne an der Forstenrieder Straße in München. Johann und seine Frau Johanna (die Schwester seines ehemaligen Partners Jaenicke) ziehen 1921 von München nach Landsberg.

1932 wird die Automobilsparte des Großunternehmens in Folge der Weltwirtschaftskrise von der Auto-Union AG (Fusionierung von Horch-Werke AG aus Zwickau, Audi-Werke AG aus Zwickau und Zschopauer DKW-Werke) übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Wandererwerke in Chemnitz von der Sowjetunion konfisziert und teilweise auch demontiert bzw. werden ein »volkseigener Betrieb«. Winklhofer rettet Wichtige Werkzeichnungen die Grundlage für einen Neuanfang der Firma in Haar bei München, wobei 1956 die Produktion von Fahrrädern aufgegeben wird. Heute firmiert die Wanderer-Werke AG als internationale Finanzholding mit Beteiligungen in den Geschäftsbereichen Mailroom Management und Verpackungsmaterialien.

Johann Winklhofer stirbt am 28. März 1949 in Landsberg im Alter von 90 Jahren.